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Holzhau im Erzgebirge
Ski- und Wandergebiet im Erzgebirge
Donnerstag, den 23.11.2017

Holzhau

Wir schreiben das Jahr 1534. Die Bergstadt Freiberg braucht für ihre Bergwerke und die Verhüttung mehr Holz. In den vergangenen Jahrhunderten haben sich die Holzfäller im Tal der Freiberger Mulde mühsam hinaufgearbeitet. Dorf um Dorf ist dabei entstanden. Ein Waldstück, ganz oben an der böhmischen Grenze, wird zum Kauf angeboten. Und so treffen sich, so schreibt es die Chronik, Herzog Georg und Caspar von Schönberg zu Purschenstein und Rechenberg, um den Handel abzuschließen: Für 800 Gulden kauft Herzog Georg "das Holz zum Rechenbergk gehörig von der Mulden auf bis an die böhmische Strass, davon bis an Schrammenbuczh und fürder bis uff den Rechenbergk".

Bauernhof in Holzhau An einem "Freitag nach Kiliani" soll das geschehen sein. Eine alte Freiberger Ratsurkunde und die Purschensteiner Chronik berichten gleichlautend von diesem Tag. Kiliani ist der Namenstag des irischen Wanderbischofes Kilian, der am 8. Juli gefeiert wurde. Kiliani fiel 1534 auf einen Mittwoch. "Freitag nach Kiliani" wäre somit der 10. Juli 1534. Da Kiliani in der Würzburger Region tätig war und bis heute dort verehrt wird, spricht einiges dafür, dass viele Besiedler des Erzgebirges ursprünglich aus Franken kamen. Bei "Herzog Georg" muss es sich um "Georg den Bärtigen", (1471-1539), Herzog des albertinischen Sachsens und Herzog von Sagan, gehandelt haben.

Gekauft wurde aber nur das auf dem Waldstück gewachsene Holz, "Stockraum" genannt. Das Land blieb im Besitz der Purschensteiner und Rechenberger. Dem Herzog blieb nicht viel Zeit. Innerhalb von 13 Jahren musste das riesige Waldgebiet abgeholzt werden. So war es vereinbart. Um kurze Arbeitswege zu haben, bauten die Holzfäller auf dem frisch gerodeten Land Unterkünfte.

Die Chronik der Purschensteiner vermerkte damals: "Auf jenem Holzschlage beim Rechenbergk waren viele Scheitschläger beschäftigt, welche sich ... dort ansiedelten. Die neue Siedlung wurde Holtzhaw genannt."

Aus historischer Sicht ist interessant, dass der "Bitterbach" die Grenze zu Böhmen markierte. Der heutige Bahnhof Holzhau, das Naturhotel "Lindenhof", der Ortsteil "Teichhaus" - all das wäre damals in Böhmen gewesen. Der Bitterbach fließt parallel zur Bergstraße, kreuzt den Tannenweg und die Bahnlinie in der Ortsmitte und mündet zwischen dem Gasthaus "Erbgericht" und dem Naturhotel "Lindenhof" in die Freiberger Mulde.

Der frisch gerodete Waldboden war anfangs noch nicht für die Landwirtschaft geeignet. Trotzdem wird ab 1540 wird von den ersten Bauern berichtet. Sie erhielten eine "Hufe", einen schmalen Streifen Land, der oft nur 50-100 Meter breit war. Als die Holzfäller weiter zogen, blieben die Bauern. Doch die Landwirtschaft im Gebirge war hart und entbehrungsreich. Kriege, Krankheiten, Seuchen, Unwetter und Missernten bestimmten das Leben der Bauern. Von 1950 bis 1990 wurde die Landwirtschaft etwas intensiver betrieben. Seit 1990 werden viele Flächen nur noch als Weideland genutzt. Ackerfächen gibt es nicht. Das hat zur Folge, dass keine Pflanzenschutzmittel versprüht werden und man in Holzhau wieder Bergwiesen finden kann.

Bauernhof mit Bauernkindern in Holzhau Im ganzen Erzgebirge, so auch bei uns, wurde nach Bodenschätzen gesucht. In Holzhau wurde bisher nichts gefunden, was den Aufwand für einen Abbau gerechtfertigt hätte. Im letzten Jahrhundert wurde noch einmal -mit Hilfe moderner Technik- nach Uran gesucht. Auch da blieb der Erfolg aus. Auf die Jahrhunderte zurückblickend, kann man sagen: Der einzige nennenswerte Bodenschatz, den es je in Holzhau gab, war zur Glasherstellung geeigneter Sand. Böhmische Glasmacher fanden -noch vor der Ortsgründung- an wenigen Stellen Sand. Doch selbst diese wenigen Glashüttenstandorte haben sich nicht bis ins 16. Jahrhundert gehalten. Geblieben sind ein paar Löcher im Waldboden und der "Glasmachersteig", der an diese Zeit erinnert.

Holzhau ist eines der wenigen erzgebirgischen Dörfer, in denen es nie eine Kirche gab. Alle umliegenden Orte besitzen eine Kirche; selbst kleinere Dörfer wie Moldava, Cesky Jiretin, Neuwernsdorf, Zinnwald oder Rehefeld. Weshalb Holzhau keine Kirche besitzt, bleibt unerforscht.

Mit dem Bau der Bahnstrecke Nossen - Freiberg - Holzhau - Moldava - Brüx, die 1886 bis Holzhau fertig gestellt war, wurde es für die Menschen aus den Städten Freiberg, Dresden oder Chemnitz einfacher, die Dörfer im Erzgebirge zu erreichen. Die ersten Anfänge des Tourismus stehen im Zusammenhang mit der Bahnstrecke Freiberg-Holzhau. Ländliche Gastwirtschaften, in denen bisher nur Bauern ihr Bier tranken, bewirteten zunehmend "Sommerfrischler" aus der Stadt.

Am 28.Juli 1899 veröffentlichte die Druckerei Geißler aus Frauenstein die "Erste Kurliste für Frauenstein und Umgebung". Damals gab man stolz kund, wer in Holzhau zur Sommerfrische anreiste: "Bezirkssteuer-Sekretär Vogel mit Familie aus Freiberg, in Holzhau Nr. 46b" oder "Oberrechnungsrevisor Günther mit Frau und Kindern aus Dresden, in Nr. 16b". Auch "Agnes Stohwasser, Brückenzoll-Einnehmers-Ehefrau mit Kindern aus Dresden" verbrachte ihre Sommerfrische in Holzhau, Hausnummer 36.

Holzhau wird von mehreren Naturschutzgebieten und Wildruhezonen umschlossen. Teilweise ziehen sich diese Schutzgebiete sogar mitten durch den Ort. Die Europäische Union hat die Natura2000 - Schutzgebiete "Oberes Freiberger Muldetal" und "Buchenwälder bei Holzhau" (Nr. 252 / 4945-301 und 65 / 5247-451) ausgewiesen. Sie allein besitzen eine Fläche von 3097 Hektar.

Aufgrund seiner zunehmenden Abgeschiedenheit und dem Rückbau an Infrastruktur eignet sich Holzhau derzeit besonders für Ruhesuchende und Naturliebhaber. Holzhau besitzt seit einigen Jahren keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Touristen sollten diese Tatsache bei ihrer Urlaubsplanung berücksichtigen.

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